Melonenbaum auf dem KOSMONAUT '16

Tagebuch: Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025?

Als ich 2011 nach Chemnitz gezogen bin, bekam ich bei der Immatrikulationsfeier ein Starterpaket für Studierende in die Hand gedrückt. Darin ein Chosy, ein Gutscheinheft für Cafés, Bars aber auch Kultureinrichtungen der Stadt. „Du musst wissen, wo in Chemnitz was läuft, sonst siehst du nicht, was hier los ist.“ So oder so ähnlich lautete das Vorwort. Und ich würde sagen, dass es für viele Jahre gestimmt hat. Leider gibt es immer noch viele Studis, die vor lauter Nörgeln darüber, wie scheiße Chemnitz doch ist (ja, ich sags so drastisch, weil ich das schon xmal auf WG-Partys von Bernsdorf bis Kaßberg gehört habe) gar nicht mitbekommen, was hier passiert.

Das musste ich ändern und so habe ich mich in gemeinsamer Zusammenarbeit mit dem Stura der TU Chemnitz an die Umsetzung des Studentenkulturtickets gemacht, mit dem Studierende 15 min vor Aufführungsbegin die Restplätze im Theater auffüllen können und kostenlos in die städtischen Museen kommen. Die Zahlen sagen, dass doch einige den Weg in Kunstsammlungen und Schauspielhaus gefunden haben, vielleicht auch ein paar der Nörgler*innen. 😉 Mein Ansporn ist, dass möglichst viele Menschen einen einfachen Zugang zu Kultur haben und dass niemand aufgrund des Geldbeutels ausgeschlossen wird. Kultur bedeutet für mich Teilhabe.

Vielleicht finde ich das Thema auch deshalb wichtig, weil ich selbst die schönsten Erlebnisse in Chemnitz bei Kulturveranstaltungen aller Art hatte. Wenn sich der Stausee in ein Festivalgelände verwandelt, der Theaterplatz zum Openairkino wird oder ich beim Science-Slam im Ausgleich erfahre, dass im versteinerten Wald von Chemnitz die ersten Skorpione des Perm-Zeitalters gefunden wurden. Ich könnte ewig so weitermachen, aber was diese Sachen alle gemeinsam haben, ist, dass Kultur aus einer Stadt mehr macht, als Arbeitsort oder Einkaufszentrum. Es macht sie liebenswert.

Deshalb finde ich es auch super, dass wir uns als Stadt gemeinsam für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben. Ambitioniert ist es auf jeden Fall, aber ich freue mich drauf. Wenn soviele Menschen und Kulturschaffenden schon vor der Bewerbung begeistert sind und mitziehen, dann kann da nur was Gutes draus werden. Zum Beispiel, dass niemand mehr fragen muss, wo heute abend was läuft.

 

Weiterlesen:

Studentenkulturticket:

https://www.tu-chemnitz.de/uk/pressestelle/aktuell/1/7362

Kulturpolitik im Bundestag:

https://www.gruene-bundestag.de/themen/kultur/gruene-kulturpolitik-im-bundestag.html

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